






















Typisches Haus der Halbnomaden
Die Landschaft wird geprägt von grünen Wiesen worauf Kühe, Büffel, Pferde, Ziegen und vor allem Schafe weiden. Riesige Föhren, Zedern und Kiefern spenden uns immer wieder Schatten, denn obwohl wir uns auf fast 3000 M.ü.M. befinden, wird es tagsüber sehr heiss. Im Schatten trinken wir einen Chai (süsser Milchtee) oder einen Nunchai (salziger Tee). Beides gibt Energie zum weiter wandern. Der Wegrand wird von Gänseblümchen, Buschwindröschen, Löwenzahn, Disteln und Iris gesäumt. Auch die Tierwelt ist nicht viel anders als bei uns.
Hasen, Wildschafe, Murmeltiere, Bergdohlen, Lämmergeier. Es gibt auch viele Schwarz- und Braunbären, doch im Gegensatz zur Schweiz bekommt der Bär hier keinen Namen und wird nicht abgeknallt. Ein bisschen seltener sind auch Tiger und Schneeleoparden zu Gesicht zu bekommen. Auf jeden Fall werden bei unserem Lager am Abend zwei grosse Feuer entfacht. Die beiden Ponies, die den ganzen Campingkrempel den Berg hinauf geschleppt haben, werden zwischen den beiden Feuer festgebunden um sie von eventuellen Tigerangriffen zu schützen. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mein Zelt auch näher beim Feuer aufgebaut.
Unsere Wanderung führt uns von Pahalgam nach Aru und von dort 13 km ins Liddertal hinein zu einer Au namens Lidderwat. Dort zelten wir für vier Tage. Ursprünglich waren sechs Tage vorgesehen, doch war dies wahrscheinlich ein Missverständnis. Meine Wanderkollegin Sharon, eine 50-jährige Taiwanesin aus Taipeh hat auf jeden Fall nur vier Tage Zeit. Die Ruhe ist unwahrscheinlich. Nur das Rauschen des Bachs, das Krähen der Raben und das Singen der unzähligen Vögel ist zu hören. Tags unternehem wir Wanderungen in die Seitentäler des Lidder, abends sitzen wir am Freudenfeuer und wärmen uns auf. Gulam, unser Ponyführer singt einige Kashmiri-Lieder für uns und Majeed, unser Führer kocht ein köstliches Gemüsecurry oder eine Kashmiri-Pulau.





Das ganze Tal wir von Hirten bewohnt. Es sind Halbnomaden. Vier Monate im Jahr wohnen sie in ihrem Dorf, vier Monate im Liddertal und vier Monate weiter oben in den Bergen, wo im Sommer die Gräser saftiger sind. Auf den ersten Blick sehen die Kashmiri-Schäfer grimmig aus. Sind sie aber nicht. Sie sind äusserst freundlich und auch sehr neugierig, was den weissen Mann anbelangt. Der alte Abdullah mit Henna in seinem Bart stellt viele Fragen. Er sitzt eine lange Zeit mit uns am Feuer und ich bitte ihn, ein Bild von ihm machen zu dürfen. Er ist erfreut darüber und ich mache meine paar Fotos. Majeed gibt ihm eine Packung Kekse, die irgendwo unter seinem langen Umhang verschwindet. Ich drücke ihm zum Dank eine Mango in die Hand. Er schaut sie verwundert an und lässt sie ebenfalls unter seinem Mantel verschwinden. Kashmir ist die Früchtekammer Indiens. Äpfel, Trauben, Kirschen und Aprikosen wachsen hier in den tieferen Regionen, doch eine Mango hat Abdullah wohl noch nie gesehen. Zwei leere PET-Flaschen hat er schon zuvor erhalten und verschwinden lassen. Diese kann er zum Milch aufbewahren sehr gut verwenden. Plötzlich zaubert er ein Nokia-Handy unter dem Mantel hervor und drückt hilflos darauf herum. Sein Neffe Kasim kommt ihm zu Hilfe. Empfang hat er mit dem Handy hier keinen, nur unten im Tal, 13 km entfernt. Aber das Handy hat eine Fotofunktion und er möchte mich auch fotografieren. Er freut sich über das Bild von mir und ich komme mir vor wie einer der ersten Pioniere in Amerika. Ich nicke ihm zu und denke mir, es werden noch viele, viele mehr kommen und sie werden dir dein Feuerholz vor der Nase wegsammeln, damit sie die halbe Nacht hindurch sich am Lagerfeuer erwärmen können. Sie werden dir mehr leere PET-Flaschen da lassen, soviele, dass du nicht mehr weisst wohin damit...
Die Mango hat er mir nicht zurück gegeben!





Mit dem Ponyman Gulam bin ich am dritten Tag in ein Seitental gewandert. Zwei über den Lidder gelegte Baumstämme dienen als einzige Brücke weit und breit. Gulam balanciert ohne Probleme darüber hinweg. Ich versuche es ihm gleich zu machen, doch schon nach zwei Schritten auf den sich bewegenden Baumstämmen bleibe ich stehen und schaue in den tosenden Bach hinunter. Ich überlege kurz und krabble auf allen Vieren weiter.








Vor rund 1.5 Jahren waren wir in Tibet und ich denke ich spreche für uns beide wenn ich sage, dass Tibet einer der beeindruckendsten Orte unserer Reise war - kulturell und emotional gesehen. Danach haben wir viele Touristen getroffen, die Dharamsala bzw. McLeod Ganj besucht hatten und davon schwärmten, wie viel tibetanischer als Lhasa dieser Ort doch sei.



Um der Hitzer in Zentral- und Südindien zu entgehen (40°C und mehr) bin ich letzten Samstag um 07.15 Uhr morgens von Darjeeling abgereist. Am Montag Morgen um 07.00 Uhr kam ich in McLeod Ganj an. Erst mit einem Jeep von Darjeeling nach New Jalpaiguri (3h), dann mit dem Zug nach Delhi (26h) und von dort nach ein paar Stunden weiter mit dem Bus nach McLeod Ganj (11h).
Ziemlich schlaftrunken wurde ich bei der Busstation von einem Hotelbesitzer angesprochen und da ich wieder einmal keine Ahnung hatte, in welchem Hotel ich absteigen wollte, bi ich ihm gefolgt. Und es war ein Glückstreffer. Habe ein grosses, helles Doppelzimmer mit WC und Dusche mit Heisswasser, einem Balkon mit Sicht auf das Tal und auf di schneebedeckten Berge. 400 Rupien kostet mich dieses Zimmer (Fr. 8.--).
Tagsüber ist es angenehm warm und sonnig, nachts schön kühl, so dass man so richtig gut schläft. Viele Touristen zieht es hierher, weil McLeod Ganj die offizielle Residenz des Dalai Lama ist. Ich selbst bin nicht hierher gekommen um den Dalai Lama zu sehen, sondern mehr um das tibetanische Feeling noch einmal zu erleben. Doch da wurde ich enttäuscht. Nur wenige Gebetsfahnen sind zu sehen, keine Pilger, keinen Gläubige mit Gebetsmühlen. Dafür einige Tibetflagge und etliche Bilder des Dalai Lama. Beides ist in Tibet selbst verboten.







Dafür ist alles andere tibetanisch. Tibetan Astology Workshops, Tibetan Cooking classes, Tibetal Dharma Talk, Tibetan Massage, Tibetan Tattoo Artists, Tibetan Taylors etc., was das Ganze gekünstelt und unwirklich erscheinen lässt. McLeod Ganj ist ein entspannender und sehr schöner Ort, aber all die Yoga-Institute und Tibetaner-Freiwilligen-Hilfs-Center geben dem Ort einen Touch von Disneyland.











