Höhlenhäuser, ein grosser Salzsee und die Frage, was Luke Skywalker damit zu tun hat. Eine Reise durch den Süden Tunesiens.
Eigentlich wollten wir in Matmata übernachten.
Im Bradt Guide wurde das Hotel Sidi Driss besonders hervorgehoben. Berühmt wurde es als Drehort des ersten Star-Wars-Films von 1977.
An der Rezeption bot man uns sogar das Zimmer von Luke Skywalker an.
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| Ein Innenhof, den es nur in Matmata gibt |
Ein tunesischer Bekannter aus der Schweiz hatte mir allerdings von Toujane erzählt.
Also beschlossen wir spontan weiterzufahren.
Toujane lag nur rund 27 Kilometer entfernt.
Wenn wir dort keine Unterkunft finden würden, konnten wir immer noch nach Matmata zurückkehren.
Im Nachhinein war das eine unserer besseren Entscheidungen.
Wenn man an Südtunesien denkt, denkt man an Hitze. Im November sieht die Sache anders aus. Toujane liegt in den Bergen des Dahar, und nachdem die Sonne verschwindet, wird es schnell frisch.
Deshalb fragten wir bei unserer Ankunft nach zusätzlichen Decken.
Der Mann nickte und brachte uns gleich mehrere.
Die Unterkunft hatten wir nicht vorab gebucht.
Wir waren auf der Strasse durch Toujane unterwegs, sahen das Schild und beschlossen anzuhalten.
Manchmal reicht das als Planung.
Ein paar Türen führten direkt in den Hang. Davor lag ein kleiner gepflasterter Innenhof mit ein paar Plastikstühlen und einem einfachen Tisch. Darüber erhob sich der Fels. Die Anlage wirkte nicht wie ein Hotel, sondern eher wie ein Ort, den jemand vor langer Zeit dem Berg abgerungen hatte.
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| Unser Troglodytenhotel in Toujane |
Unsere Unterkunft gehörte zu den sogenannten Troglodytenhäusern. Statt Häuser auf den Berg zu bauen, wurden die Räume direkt in den Fels gegraben.
Das Zimmer war einfacher als viele Hotelzimmer und gleichzeitig viel interessanter.
Die Wände bestanden aus dem Berg selbst. Nichts war gerade, nichts standardisiert. Selbst die Betten gehörten eigentlich zum Felsen. Die Liegeflächen waren direkt aus dem Gestein herausgehauen und anschliessend verputzt worden. Irgendwann hatte jemand einfach Matratzen darauf gelegt.
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| Schlafen im Fels |
Während draussen die Temperatur nach Sonnenuntergang spürbar sank, hielt die Unterkunft die Wärme des Tages erstaunlich gut fest. Die zusätzlichen Decken blieben die ganze Nacht unbenutzt in der Ecke liegen.
Adi und ich waren die einzigen Gäste.
Das passte irgendwie zu Toujane.
Das Amazigh-Dorf schien sich an den Hang zu klammern. Die Häuser hatten dieselbe Farbe wie die umliegenden Berge. Aus einiger Entfernung verschwammen Landschaft und Siedlung beinahe miteinander. Es wirkte nicht wie ein Ort, der geplant worden war. Eher wie einer, der langsam aus dem Berg gewachsen war.
Viel zu tun gab es nicht.
Wir schlenderten durch die wenigen Gassen und schauten hier und dort um eine Ecke.
Zwischen den zerfallenen Mauern streiften Ziegen umher und suchten nach etwas Essbarem. Ein Esel beobachtete die Welt durch die Fensteröffnung eines halb verfallenen Hauses.
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| Das Fenster zum Hof |
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| Die wahren Eigentümer des Dorfes |
Niemand schien irgendwohin unterwegs zu sein. Es gab keine Sehenswürdigkeit, die man abhaken musste, und keinen Grund, sich zu beeilen.
Irgendwann landeten wir im Belle Vue Café bei einem Tee mit Gewürzen und Rosmarin.
Der Mann von der Unterkunft fragte uns schon bei unserer Ankunft, ob wir zum Abendessen gerne ein Bier hätten. Wir bejahten.
Irgendwann im Laufe des Abends fiel uns auf, dass keines gekommen war.
Ob er es vergessen hatte oder ob die Beschaffung eines Biers in Toujane schwieriger war als gedacht, haben wir nie herausgefunden.
Es spielte auch keine Rolle.
Jedenfalls blieb es an diesem Abend beim Tee.
Als die Sonne unterging, verschwand das Licht überraschend schnell aus dem Tal. Die Temperaturen fielen, die Pullis kamen zum Einsatz und der Tag neigte sich seinem Ende zu.
Gegen neun Uhr lagen wir bereits im Bett. Nicht weil wir besonders müde gewesen wären.
Das Dorf schien sich dem Tageslicht anzupassen.
Wenn die Sonne verschwand, war der Tag eben vorbei.
Am nächsten Morgen war ich früh wach.
Für den Sonnenaufgang reichte es trotzdem nicht.
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| Kurz nach Sonnenaufgang in Toujane |
Zum Frühstück gab es Tee, Brot, Honig, Joghurt und Olivenöl. Den Käse nahm Adi mir vom Teller. Kaffee gab es keinen.
Daher fuhren wir danach zurück nach Matmata.
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| Toujane - Das Amazigh-Dorf schmiegt sich an den Hang |
Die Landschaft blieb zunächst ähnlich. Berge, Geröll und kleine Siedlungen, die aussahen, als würden sie mit ihrer Umgebung um die gleiche Farbe konkurrieren.
Unterwegs begegneten wir immer wieder den Spuren einer Lebensweise, die für uns völlig ungewohnt war.
Die Troglodytenwohnungen waren von oben kaum als Häuser zu erkennen. Man blickte in grosse kreisrunde Höfe, die tief in den Boden gegraben worden waren.
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| Troglodytenhaus von oben |
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| Wohnen unter der Erde |
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| Höhlenwohnung mit Satellitenempfang |
Es wirkte, als hätten die Bewohner beschlossen, nicht auf der Landschaft zu leben, sondern in ihr.
An einer Stelle stand ein merkwürdiger Gebäudekomplex am Hang.
Steinfarben wie die Berge dahinter und aus der Entfernung fast Teil der Landschaft.
Die vielen kleinen Öffnungen und Kammern liessen ihn wie eine Mischung aus Festung und Bienenstock wirken.
Das Gebäude war ursprünglich ein Berber-Ksour, also ein Speicher für Getreide und andere Vorräte. Heute beherbergt es ein Museum, ein Restaurant und ein Gästehaus.
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| Berber-Ksour - ein ehemaliger Getreidespeicher |
Wir hielten kurz an, machten ein Foto und fuhren weiter nach Matmata, um dort den Kaffee nachzuholen und um Geld abzuheben.
Der Bankomat stand noch da. Sah aber ziemlich verwahrlost aus. Ein netter Mann erklärte uns, dass das Gerät seit Monaten ausser Betrieb war.
Mit wenig Geld in der Tasche fuhren wir weiter.
Hinter Matmata wurde die Landschaft zunehmend leerer.
Irgendwann verschwanden die Berge.
Vor uns lag der Chott el Jerid, der grösste Salzsee Tunesiens. Im Sommer trocknet er fast vollständig aus und hinterlässt eine riesige weisse Salzfläche.
Die Strasse zog sich schnurgerade durch die Ebene. Der Horizont schien einfach nicht näher zu kommen.
Immer wieder tauchten Verkehrsschilder auf, die vor Dromedaren warnten.
Ansonsten gab es wenig, wovor man hätte warnen müssen.
Keine Kurven. Keine Fussgänger. Kein Rechtsvortritt.
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| Im Chott el Jerid Geradeaus bis zum Horizont |
Je weiter wir fuhren, desto unwichtiger wurde die Frage, ob wir überhaupt Bargeld hatten.
Es gab ohnehin nichts, wofür wir es hätten ausgeben können.
Die Strasse verlief bis zum Horizont.
Und darüber hinaus.
Nach der Leere des Chott el Jerid tauchte die Oasenstadt Tozeur vor uns auf.
Die Stadt wirkte wie ein Aussenposten. Nicht das Ende der Welt. Aber vielleicht die letzte grössere Station davor.
Unser Hotel passte nicht ganz ins Bild der vergangenen Tage. Es war ein Resort mit Poolanlage. In der Nebensaison allerdings erstaunlich günstig.
Nach den Höhlenwohnungen von Toujane fühlte sich das sehr luxuriös an.
Am ersten Abend gingen wir ins Restaurant Dar Deda.
Noch bevor wir bestellt hatten, brachte uns der Kellner einen Salade Tozeurienne. Er erklärte, der Salat sei typisch für die Region und gehöre einfach dazu. Der erfrischende Salat aus fein gehackten Tomaten, Gurken, Zwiebeln und frischen Kräutern hatte eine kühlende Wirkung und machte Lust auf mehr.
Auf der Speisekarte standen Couscous mit Lamm, Hähnchen und Dromedar.
Ein vegetarisches Couscous suchte ich vergeblich.
Also fragte ich, ob man trotzdem eines zubereiten könne.
Kein Problem, hiess es.
Während die Hauptgerichte zubereitet wurden, stellte man uns Brot, Oliven und Mechouia auf den Tisch.
Wir griffen beherzt zu.
Als schliesslich das vegetarische Couscous und Adis Poulet en Jarre serviert wurden, waren wir eigentlich längst satt.
Am Ende blieb trotzdem nichts übrig.
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| Gemüse-Couscous isst sich auch ohne Hunger |
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| Poulet en Jarre |
Am nächsten Morgen fuhren wir Richtung algerische Grenze.
Unser erster Halt war die Bergoase Chebika. Von einem kleinen Pfad oberhalb der Oase blickten wir weit hinaus über den scheinbar endlosen Chott el Gharsa. Irgendwo am Horizont gingen Salzsee und Himmel ineinander über. Danach folgten wir der Strasse weiter nach Tamerza und schliesslich nach Midès.
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| Für diesen Ausblick lohnt sich jeder Höhenmeter |
Midès liegt direkt an der Grenze zu Algerien und ist für seinen tief eingeschnittenen Canyon bekannt. Das EDA rät von Reisen in diese Region ab.
Offenbar ist das keine neue Idee. Schon die Römer fanden, dass hier Schluss sein sollte. Dahinter begann das Gebiet der Berberstämme, das sie nie wirklich kontrollieren konnten.
Der Canyon von Midès diente später als Kulisse für The English Patient und Indiana Jones. Uns interessierte allerdings einfach die Landschaft.
Wir waren am Rand des Landes angelangt. Die Karte franste langsam aus.
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| Midès Schlucht - Am Rand Tunesiens |
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| Ganz unten in der Schlucht |
Unser Bradt Guide schien uns in dieser Gegend immer wieder Star Wars Drehorte aufdrängen zu wollen. Auf dem Rückweg kamen wir bei Nefta an der Abzweigung zum Lars Homestead vorbei – dem Wohnhaus, in dem Luke Skywalker auf dem Wüstenplaneten Tatooine aufwuchs.
Wir hielten kurz an und schnell wurden uns klar, dass die letzten Kilometer nur zu Fuss oder mit einem Geländewagen zu bewältigen waren.
Der Pool und ein Celtia in Tozeur klangen plötzlich nach der besseren Idee.
Ein Celtia trinken wir lieber wollten,
nicht böse der junge Skywalker uns sein wird.
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| Typisch Tozeur Geometrie aus Lehmziegeln |
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Métlaoui.
Der Grund war der Lézard Rouge. Ein historischer Zug, der normalerweise mit den einstigen Salonwagen des Bey von Tunis auf einer ehemaligen Strecke des Phosphatabbaus durch die Selja-Schlucht fährt.
Normalerweise.
Der Bahnhof wirkte zu ruhig. Es fehlte jede Spur von Reisenden, die auf eine Abfahrt warteten.
Adi stand neben mir. Uns beiden war längst klar geworden, dass heute kein Zug fahren würde.
Zur Sicherheit fragten wir trotzdem im Büro des Bahnhofs nach. Dort sass eine Dame hinter einem Schreibtisch.
"S'il vous plaît, Madame. Le Lézard Rouge ?"
"Au printemps, Inchallah."
"Alors on retourne une autre fois."
"Inchallah, Monsieur."
Manche Reisen bleiben wegen der Dinge in Erinnerung, die man gesehen hat.
Andere wegen der Dinge, die nicht stattgefunden haben.
🇹🇳 Tunesien zum Nachkochen:
Salade Tozeurienne
Ein einfacher, erfrischender Salat aus der Oasenstadt Tozeur. Im Restaurant Dar Deda wurde er uns zur Begrüssung «aufs Haus» serviert, weil er typisch für die Region sei.
Zutaten (2–3 Personen)
🥒 1 Gurke
🍅 2–3 reife Tomaten
🫑 1 grüne Paprika
🧅 1 kleine rote Zwiebel
🌿 Petersilie oder Minze (optional)
🥄 2 EL Olivenöl
🍋 Saft einer halben Zitrone
🧂 Salz und Pfeffer
Zubereitung
🔪 Alles in sehr kleine Würfel schneiden.
🥣 Mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer vermengen.
❄️ Vor dem Servieren gut kühlen.
💡 In Tunesien wird der Salat oft mit Thunfisch, hartgekochtem Ei oder Oliven ergänzt.
🛠️ Praktische Infos
🛏️ Unterkunft in Toujane - Diar Toujane Troglodytenhotel direkt im Fels.
Nicht online buchbar. Einfach anhalten und fragen.
🛏️ Alternative in Matmata - Hotel Sidi Dris
Das berühmte Star-Wars-Hotel.
🏨 Hotel in Tozeur - Palm Beach Palace
Resort mit grosser Poolanlage.
In der Nebensaison überraschend günstig.
🍽️ Restauranttipp: Dar Deda – Hier wurde uns zur Begrüssung ein typischer Salade Tozeurienne zum Probieren serviert – ausdrücklich «aufs Haus», weil er für die Region so typisch sei. Ein schöner Einstieg in die Küche von Tozeur.
🏧 ATM
Bankomaten (ATM) sind in den Wüstenregionen deutlich dünner gesät als an der Küste. Plane genügend Bargeld ein.
💳 In Toujane und vielen anderen kleinen Orten ist Bargeld unverzichtbar. Verlass dich nicht darauf, überall mit Karte bezahlen zu können.
💱 Restliche Dinar solltest du vor der Heimreise ausgeben oder zurücktauschen. Die Währung darf nicht ein- oder ausgeführt werden.
⛽ Tanken
Spätestens in Kébili volltanken.
Zwischen Kébili und Tozeur folgt der Chott el Jerid – rund 100 Kilometer ohne Tankstellen, Dörfer oder Einkaufsmöglichkeiten




















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