Eigentlich wollte ich von Ziguinchor, der Hauptstadt der Casamance, mit dem öffentlichen Boot nach Pointe Saint-Georges reisen. Am Vortag erkundigte ich mich danach. Zwischen Weihnachten und Neujahr fahre kein öffentliches Boot, erklärte mir der Bootsführer Ousmane.
Ganz sicher war ich mir allerdings nicht, ob das tatsächlich stimmte. Denn Ousmane hatte auch gleich eine Alternative parat: Er könne mich mit seinem Boot alleine nach Pointe Saint-Georges bringen.
Für 50'000 CFA. Etwa 75 Euro.
Für senegalesische Verhältnisse ein stolzer Preis.
Ich bedankte mich höflich und beschloss, am nächsten Tag noch einmal nachzufragen.
Tags darauf ging ich wieder zum Bootsanlegeplatz. Sicher ist sicher.
Dort fragte ich einen anderen Mann, wann das öffentliche Boot nach Pointe Saint-Georges fahre.
Er bestätigte mir, dass tatsächlich kein Boot fuhr. Gleichzeitig erzählte er mir, Ousmane würde offenbar immer behaupten, dass kein Boot fahre.Also ging ich zum Busbahnhof von Ziguinchor. Ein ziemliches Durcheinander. Ich fragte mich mehrmals durch, bis mir schliesslich jemand das Kassenhaus für die Sept-Places Richtung Oussouye, Mlomp und Elinkine zeigte.
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| Gare routière von Ziguinchor |
Ich stieg in das mir zugewiesene Sept-Places und wartete, bis es auf den letzten Platz gefüllt war.
Auf der Fahrt nach Kagnout überlegte ich mir bereits, was das Motorrad nach Pointe Saint-Georges wohl kosten würde. 3'000 CFA erschien mir als fairer Preis. Alles darüber würde ich verhandeln.
Irgendwann hielt das Sept-Places an einer unscheinbaren Kreuzung mitten im Nirgendwo. Der Fahrer nickte mir zu.
Kagnout, hier müsse ich aussteigen.An der Kreuzung warteten bereits mehrere junge Männer mit Motorrädern.
Offenbar war sofort klar, weshalb ich hier war.
Einer davon war Elhadj.
Er verlangte 3'000 CFA. Genau meine Vorstellung.
Also gab es nichts zu verhandeln.
Ich setzte mich auf den Rücksitz seines Jakartas. Kurz darauf hielt Elhadj an einem kleinen Laden an.
Ich nahm an, er wolle sich etwas zu trinken kaufen.
Stattdessen kam er mit einer 1,5-Liter-PET-Flasche voller Benzin zurück. Er schraubte den Tank auf, füllte nach und wir fuhren weiter.
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| Kleine Bar und Benzinladen auf dem Weg nach Pointe St-Georges |
Es fühlte sich weniger wie Transport von A nach B und mehr wie eine kleine Expedition an.
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| Auf dem Rücksitz von Elhadj's Jakarta |
Hinter Pointe Saint-Georges kommt nichts mehr. Die Strasse endet.
Danach beginnen Wald und die von Mangroven gesäumten Wasserarme, die Bolongs.
Hier soll es westafrikanische Manatis geben. Dass sie auch in der Casamance und im gleichnamigen Fluss leben, wusste ich bis zu dieser Reise nicht. Pointe Saint-Georges gehört zu den wenigen Orten, an denen man sie noch beobachten kann. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, tatsächlich welche zu Gesicht zu bekommen.
In Pointe Saint-Georges leben Diola. Überall wurde ich freundlich mit «Kassumaye» begrüsst. Schnell habe ich gelernt, dass die Antwort darauf "Kassumaye Bara" lautet. Für die Übernachtung hatte ich das Campement Le Lamantin gewählt – einer der drei Orte im Dorf, an denen man überhaupt übernachten kann.
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| Mein Campement war schnell gefunden |
Sie hatte offenbar bemerkt, dass ich mich für den Turm interessierte. Sie stellte sich als Marie vor, kassierte den Eintritt und öffnete mir die Kette.
Ich stieg hinauf und wartete.
Ein Schwein ging am Strand entlang. Es interessierte sich weder für die im Wasser plantschenden Kinder noch für mich und setzte seinen Spaziergang einfach fort.
Ich schaute aufs Wasser. Wartete. Suchte nach Konturen unter der Wasseroberfläche.
Zuerst sah ich nicht viel mehr als Bewegungen und dunkle Formen.
Dann tauchte eines auf.
Ein brauner Rücken. Eine Flosse. Ich hatte nicht die ganze Zeit auf ein Stück Treibholz gestarrt.
Kurz darauf das nächste. Und noch eines.
Die Manatis kamen immer wieder an die Oberfläche, holten Luft und verschwanden gleich wieder.
Fotografieren war zermürbend. Nach eineinhalb Stunden gab ich auf und stieg wieder vom Turm herunter.
Bei Maries Kleiderladen standen Plastikstühle. Ich setzte mich hin und fragte sie, ob es hier etwas zu trinken gebe. Ich dachte mir, eine kleine Bar wäre doch eigentlich perfekt an diesem Ort.
Sie verschwand kurz und kam mit einem Bissap zurück, einem erfrischenden Getränk aus Hibiskusblüten.
Dabei erzählte sie mir, dass sie tatsächlich Geld sparte, um hier eine Bar zu eröffnen.
Ich schaute mich noch etwas bei ihr um und probierte eine farbige Hose an. 6'000 CFA sollte sie kosten. Ich nahm sie nicht. Aus Platzgründen wollte ich solche Sachen lieber erst gegen Ende meiner Reise kaufen.
Abends sass ich mit einem Gazelle-Bier auf der Holzterrasse des Campement Le Lamantin und blickte hinaus auf den Fluss Casamance.
Kein Programm, kein Spektakel. Nur sitzen und auf den Fluss schauen.
Irgendwann zogen Delfine vorbei. Ein schöner Bonus.
Zum Abendessen gab es Fisch Yassa. Bei mir landete ein Capitaine auf dem Teller.
Ein Fisch, der die brackigen Gewässer von Flussmündungen und Mangroven liebt.
Und ich liebe ihn.
Am nächsten Morgen war ich früh wach.
Der Sonnenaufgang über dem Casamance war Grund genug, aus dem Bett zu kriechen.
Zuerst sah ich nicht viel mehr als Bewegungen und dunkle Formen.
Dann tauchte eines auf.
Ein brauner Rücken. Eine Flosse. Ich hatte nicht die ganze Zeit auf ein Stück Treibholz gestarrt.
Kurz darauf das nächste. Und noch eines.
Die Manatis kamen immer wieder an die Oberfläche, holten Luft und verschwanden gleich wieder.
Fotografieren war zermürbend. Nach eineinhalb Stunden gab ich auf und stieg wieder vom Turm herunter.
Bei Maries Kleiderladen standen Plastikstühle. Ich setzte mich hin und fragte sie, ob es hier etwas zu trinken gebe. Ich dachte mir, eine kleine Bar wäre doch eigentlich perfekt an diesem Ort.
Sie verschwand kurz und kam mit einem Bissap zurück, einem erfrischenden Getränk aus Hibiskusblüten.
Dabei erzählte sie mir, dass sie tatsächlich Geld sparte, um hier eine Bar zu eröffnen.
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| Bissap Hibiskusblütensaft |
Abends sass ich mit einem Gazelle-Bier auf der Holzterrasse des Campement Le Lamantin und blickte hinaus auf den Fluss Casamance.
Kein Programm, kein Spektakel. Nur sitzen und auf den Fluss schauen.
Irgendwann zogen Delfine vorbei. Ein schöner Bonus.
Zum Abendessen gab es Fisch Yassa. Bei mir landete ein Capitaine auf dem Teller.
Ein Fisch, der die brackigen Gewässer von Flussmündungen und Mangroven liebt.
Und ich liebe ihn.
Am nächsten Morgen war ich früh wach.
Der Sonnenaufgang über dem Casamance war Grund genug, aus dem Bett zu kriechen.
Nach dem Frühstück am Fluss machte ich mich auf den Weg. Der Pfad führte aus Pointe Saint-Georges hinaus, vorbei an Hibiskusfeldern, durch hohes, goldenes Gras bis zu einem verlassenen Fischerdorf.
Ein paar Geier sassen auf den alten Fischerbooten und warteten offenbar geduldig auf irgendetwas, das hier gerade nicht passierte.
Ich hörte von weit her Kinder, aber die schlammigen Mangroven versperrten mir den Weg.
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| Graufischer |
Als ich den Eintritt bezahlen wollte, winkte Marie ab.
Ich hätte doch gestern schon bezahlt.
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| Aussichtsturm am Ufer von Pointe Saint-Georges |
Irgendwann probierte ich die Hose noch einmal an.
"Was kostet die Hose nochmals?", fragte ich Marie.
Sie sagte, ich solle sie einfach nehmen. Sie wolle sie mir schenken.
Ich steckte die Hose ein und drückte ihr die 6'000 CFA in die Hand.
Für die Bar, sagte ich.
Eigentlich könnte die Geschichte hier enden.
Doch in Pointe Saint-Georges stand noch etwas anderes.
Ein gewaltiger Kapokbaum, oder Fromager, wie er hier genannt wird. In seiner Krone befindet sich eine Aussichtsplattform.
Rund dreissig Meter über dem Boden.Um auf die Plattform in seiner Krone zu gelangen, musste man eine Strickleiter hinaufklettern.
Der Aufstieg zum Fromager kostet 3'000 CFA. Fair aufgeteilt: 1'000 CFA gehen an das Dorf, 1'000 CFA an die Leute vor Ort, die für die Sicherung zuständig sind, und 1'000 CFA an den Besitzer des Baumes.
Als ich unten stand und nach oben blickte, begann ich plötzlich zu zweifeln.
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| Die Leiter hinauf zum Fromager |
Offenbar hatte mein Körper beschlossen, mir mit zunehmendem Alter eine neue Eigenschaft zu schenken.
Mit jedem Meter wurde ich vorsichtiger. Ich klammerte mich so nah wie möglich an die Leiter.
Tritt für Tritt ging es weiter nach oben. Langsamer, als mir lieb war.
Oben angekommen! Schlotternd.
Der Karabinerhaken wurde abgehängt und oben am Stamm des Fromager neu eingeschlauft. Dann musste ich mich noch auf die Plattform hieven.
Die Angst schwand. Die Aussicht gewann die Oberhand.
Der Blick über das Blätterdach der Casamance war jede Mühe wert. Die Mangroven zogen sich bis zum Horizont. Dazwischen glitzerten die Bolongs.
Meine Kletterpartie war perfekt getimt. Langsam wurde das Licht wärmer. Die Sonne sank tiefer.
Nach dem Aufstieg, der Höhenangst und dem ganzen Geklammer an der Strickleiter war das ein ziemlich guter Platz, um den Sonnenuntergang zu geniessen.
Es war einer jener seltenen Augenblicke, in denen man aufhört, Fotos machen zu wollen.
Und einfach nur noch schaut.
Fast hätte ich dabei vergessen, dass ich auch wieder vom Baum runterklettern musste.
🛠️ Praktische Informationen
🏡 Campement Le Lamantin, Zimmer ab 15'000 CFA, liegt direkt am Fluss🏡 Campement Le Figuier, Zimmer ab ca. 11'000 CFA, liegt direkt am Fluss🏡 Chez Clara, Zimmer ab ca. 11'000 CFA, gleich beim Dorfeingang
🍽️ Alle drei Orte bieten auch hervorragendes Essen an. Persönlich hatte ich bei Clara meine beste Mahlzeit.
🚤 Anreise: Öffentliche Pirogue ab Ziguinchor immer montags, mittwochs und samstags. Dauer ca. 2,5 Std.
Diese Reise fand im Dezember 2025 statt. Die Informationen entsprechen dem damaligen Stand.






















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