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Der langsame Mohammed

Ein Frühstück mit Weltklasse-Aussicht, ein Friedhof für Stiere und ein sehr langsamer Taxifahrer.

Bei meinem letzten Besuch in Kairo war das Serapeum noch geschlossen.

Nach jahrzehntelanger Schliessung war die Anlage inzwischen wieder für Besucher geöffnet.

Diesmal wollte ich endlich hinein.

Für die Übernachtung quartierte ich mich in Giza ein.

Mein Zimmer bot eine unglaubliche Aussicht auf die Pyramiden.

Nachts wurden sie angestrahlt und schwebten scheinbar über den Dächern der Stadt. Ich konnte von meinem Bett aus auf eines der sieben Weltwunder der Antike blicken.
Zimmer mit Aussicht. Die grossen Pyramiden von Gizeh vom Bett aus gesehen
Von meinem Bett konnte ich schön auf die Pyramiden blicken
Die alten Ägypter errichteten Bauwerke, die mehrere Jahrtausende überdauerten. Das Treppenhaus meines Hotels zeigte hingegen, dass dieses Wissen nicht vollständig erhalten geblieben ist.

Dort, wo einst ein Aufzug gewesen sein musste, klafft heute ein riesiges Loch. Die Treppe wand sich Stockwerk um Stockwerk um diese Öffnung herum nach oben.

Spätestens jetzt verabschiedete sich mein Interesse, den Balkon auszuprobieren.

Tagsüber sorgten Verkehr und Hupkonzerte auf der Hauptstrasse für die übliche Geräuschkulisse von Giza. Gegen Mitternacht wurde es überraschend ruhig.

Ich dachte schon, die Nacht würde tatsächlich friedlich werden.
Kurz darauf begann irgendwo jemand, Metall zu sägen.

Nicht besonders hektisch.
Aber ein gleichmässiges Kreischen durchschnitt die Stille und zog sich durch die Nacht.

Warum man damit bis nach Mitternacht zugewartet hat, konnte ich mir nicht erklären.

Fest stand nur, dass nicht nur Metall bearbeitet wurde.
Sondern auch meine Nerven.

Am nächsten Morgen wollte ich früh zu den Pyramiden.

Der Eingang öffnet offiziell um sieben Uhr. Um 6.45 Uhr stand ich bereits vor der Kasse und war einer der Ersten in der Schlange.

Wegen des Ramadan öffnete die Kasse allerdings erst um acht Uhr.

Ramadan.

Das Thema begleitete mich während dieser Reise hartnäckiger als geplant.

Nach dem obligatorischen Besuch der Pyramiden, des Taltempels des Khafre und einer schweisstreibenden Kletterpartie durch die engen Gänge der Khufu-Pyramide machte ich mich auf den Weg zur 9 Pyramids Lounge.
die grossen Pyramiden von Gizeh
zu Fuss durch die Wüste
Die meisten Besucher liessen sich bequem mit dem Auto bis vor die Tür fahren.

Ich ging zu Fuss durch die Wüste und kam schweissgebadet an.

Ich bestellte das ägyptische Frühstück: Foul mit Olivenöl, Falafel, Tomaten, Baladi-Fladenbrot, Feteer Meshaltet mit Melasse und Tahini, Rührei, Orangensaft und Kaffee. Den auf der Karte aufgelisteten Käse liess ich natürlich weg.
ägyptisches Frühstück im 9 Pyramids Lounge Restaurant in Gizeh
Breakfast with a View 
Nach dem Marsch durch die Wüste dort zu sitzen, dieses Frühstück vor mir zu haben und dabei auf die Pyramiden zu blicken, war schon ziemlich grandios.

Danach machte ich mich zu Fuss auf den Rückweg. Völlig verschwitzt kam ich bei der Kasse an. Dort traf ich Mohammed, einen 72-jährigen Taxifahrer.
Die Chephren Pyramide, oder Khafre wie ich sie nenne
Auf dem Rückweg noch einmal an der Khafre-Pyramide vorbei... 
die Sphinx mit der Cheops Pyramide im Hintergrund
...und weiter zur Sphinx
Wir handelten einen Preis für die Fahrt nach Saqqara aus.
Der Betrag erschien mir fair, und so stieg ich ein.

Mohammed fuhr sehr langsam.
Nicht ein bisschen langsamer als andere Taxifahrer.
Sehr langsam.

Nach dem Verkehr von Kairo wirkte das fast schon exotisch.

Seine rechte Hand zitterte ständig leicht, sobald sie nicht gerade das Lenkrad festhielt.

Auf dem Armaturenbrett lag ein Koran. Mohammed erzählte mir, dass er darin jeden Tag lese, wenn er im Taxi auf Fahrgäste warte.

Während der Fahrt unterhielten wir uns über unsere Familien, über Ägypten und über die Politik.

Immer wieder kamen wir auf Hosni Mubarak und Abdel Fattah al-Sisi zu sprechen.

Mohammed machte keinen Hehl daraus, welchem Präsidenten seine Sympathien gehörten.

Mubarak sei besser gewesen, meinte er.

Unter al-Sisi werde zwar überall gebaut. Neue Strassen, Brücken und ganze Stadtviertel entstünden. Gleichzeitig werde aber alles teurer, und bezahlen müssten es vor allem die einfachen Leute.

Es war interessant, mit jemandem darüber zu sprechen, der die Entwicklung des Landes über Jahrzehnte hinweg erlebt hatte.

Nicht jeder blickt auf dieselbe Geschichte mit denselben Augen.

Bevor ich das Serapeum besuchte, machte ich noch einen Abstecher zur Stufenpyramide des Djoser.
Mehr als viereinhalb Jahrtausende nach ihrer Errichtung kann man sie heute noch betreten.
Die Stufenpyramide von Djoser in Saqqara. Baumeister Imhotep
Djoser's Stufenpyramide von Saqqara
Ich ging hinein.

Während sich bei der Stufenpyramide die Besuchergruppen durch die Anlage schoben, begegnete ich im Serapeum kaum einem anderen Menschen.

Dabei gehört das Serapeum zu den seltsamsten Orten Ägyptens.
in den Gänge vom Serapeum in Saqqara ägypten
In den Gängen des Serapeum
Die alten Ägypter bauten Pyramiden für ihre Könige.

Das leuchtet irgendwie ein.

Weniger offensichtlich ist die Idee, riesige Sarkophage aus Granit tief unter der Erde zu versenken, damit dort heilige Stiere bestattet werden konnten.

Genau das geschah hier.
ein Granit-Sarkophag für den heiligen Apis-Stier im Serapeum in Saqqara Aegypten
Tonnenschwerer Granitsarg für den Apis-Stier
Das Ganze begann bereits vor rund 3400 Jahren, zur Zeit von Amenhotep III. Unter Ramesses II. wurde die Anlage erweitert. Und dann ging es einfach weiter: Über mehr als tausend Jahre wurden hier die heiligen Apis-Stiere bestattet, bis in die Zeit der Ptolemäer.

Menschen schleppten also tonnenschwere Steinsärge tief unter die Erde, um einen heiligen Stier zu bestatten.

Dynastien kamen und gingen. Reiche entstanden und verschwanden.

Die Stiere bekamen weiterhin ihre Sarkophage.

Mitte des 19. Jahrhunderts stiess der französische Ägyptologe Auguste Mariette eher zufällig auf die Anlage. Eigentlich war er nach Ägypten gekommen, um Handschriften zu erwerben. Stattdessen entdeckte er eine von Sphinxen gesäumte Prozessionsstrasse und folgte ihr bis zum Serapeum.
ein Wand Relief in Saqqara
Relief in Saqqara
Am späten Nachmittag brachte mich Mohammed zurück nach Giza.

Bevor wir uns verabschiedeten, vereinbarten wir gleich noch die Fahrt zum Flughafen für den nächsten Tag.

Den Abholzeitpunkt setzte ich vorsichtshalber etwas früher an.
Ich kannte Mohammed inzwischen.

Am Abend liess ich den Tag auf einer Dachterrasse in Giza ausklingen.

Langsam verschwand die Sonne hinter der Stadt. Die Sphinx färbte sich orange, die Pyramiden wurden angestrahlt. Giza wirkte magisch.
Sonnenuntergang über dem Plateau von Gizeh. Der Himmer hat sich orange gefärbt
Sonnenuntergang über dem Giza-Plateau
Später lief ich durch die Gassen und fand ein Lokal namens Koshary Hekaya.

Koshary ist ein einfaches Gericht aus Reis, Nudeln, Linsen, Kichererbsen, Tomatensauce und knusprig gebratenen Zwiebeln. Auf dem Papier klingt diese Kombination etwas fragwürdig, in der Praxis funktioniert sie jedoch hervorragend.
ein feiner Koshary bei Koshary Hekaya in Gizee Aegypten
Koshary
Für umgerechnet etwa einen Franken erhielt ich die mittlere Portion.
Die war mehr als ausreichend.

Am nächsten Morgen wartete noch ein Frühstück auf der Dachterrasse meines Hotels. Es war im Zimmerpreis von 17 US$ inbegriffen. Die Aussicht war besser, als der Preis vermuten liess.
Frühstück auf der Dachterresse in Gizeh mit den Pyramiden im Hintergrund
Frühstück auf der Dachterrasse
die tolle Aussicht von der Dachterrasse meines Hotels in Giza oder Gizeh
Aussicht von der Frühstücksterrasse des Sphinx and Pyramid Hotel
Danach nahm ich ein Taxi zum Grand Egyptian Museum.

Das Museum war offenbar so neu, dass mein Fahrer den Haupteingang noch nicht kannte.

Wir umrundeten den riesigen Gebäudekomplex mehrfach, bevor wir ihn fanden.
Beim Eingang des brandneuen GEM Grand Egyptian Museum in Giza
Beim Grand Egyptian Museum GEM
Offiziell eröffnet war das Museum damals noch nicht vollständig. Einige Bereiche fehlten noch, darunter die berühmten Sonnenbarken und die Sammlung Tutanchamuns.

Im Gegensatz zum alten Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz wirkte hier alles perfekt inszeniert. Die Ausstellungsstücke waren hervorragend präsentiert und ausgeleuchtet.

Das alte Museum hatte für mich seinen ganz eigenen Charme. Hier dagegen war alles neu, sauber und perfekt inszeniert.

Ich hatte Bauwerke besucht, die seit viereinhalb Jahrtausenden bestehen. Im Grand Egyptian Museum wurde dagegen gerade an einem neuen Kapitel gearbeitet.

🛠️ Praktische Informationen

💰 Eintritt Giza-Plateau: 700 EGP für Ausländer
🕗 Öffnungszeiten: täglich 8–16 Uhr

💰 Eintritt Khufu-Pyramide: 1'000 EGP für Ausländer

💰 Eintritt Saqqara-Gelände: 600 EGP für Ausländer
🕗 Öffnungszeiten: täglich 8–16 Uhr

💰 Eintritt Serapeum: 340 EGP für Ausländer

🏨 Sphinx and Pyramids Hotel, Giza: nicht mehr auffindbar. Das Haus ist wohl in sich zusammengefallen.

🍽️ 9 Pyramids Lounge Restaurant: tolles ägyptisches Frühstück für 465 EGP

🍽️ Koshary Hekaya: typisch ägyptisches Essen ab CHF 1.–

🚕 Taxi Mohammed: im Fall, dass er noch fährt
+20 100 762 1751

Diese Reise fand im März 2025 statt. Die Informationen entsprechen dem damaligen Stand.

1 Kommentar:

  1. Petit-dejeuner devant les pyramides !
    Faut s'appeler Oli pour réussir ça
    BRAVO et merci pour les belles photos ça fait envie

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